Im Blickpunkt| 23.07.2019

Qualität im Gesundheitswesen hat ihren Preis

Die Gesundheitskosten steigen und steigen.

Fast täglich diskutieren Politiker und Medien Wege und Möglichkeiten, um die Kostenspirale zu bremsen. Das Hauptaugenmerk liegt meist auf den Spitälern. Was darob häufig vergessen geht: Die Schweiz hat eines der besten und bewährtesten Gesundheitssysteme weltweit, mit grossem Nutzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft insgesamt.

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von Flavian Cajacob

Wir werden immer älter. Das ist in erster Linie ein Grund zur Freude. Doch mit dem Älterwerden sind mitunter Gebrechen und Krankheiten verknüpft, die wir – im Normalfall – überstehen wollen. Und das wiederum verursacht stetig steigende Kosten im Gesundheitswesen. Experten schätzen, dass diese jährlich inskünftig um drei bis vier Prozent wachsen werden. Inzwischen sind die Gesundheitskosten bei über 86 Milliarden Franken angelangt (Stand 2018), bereits in diesem Jahr dürften die entsprechenden Auslagen die Marke von 90 Milliarden Franken übersteigen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl entspricht dies einer jährlichen Pro-Kopf-Belastung von 10 000 Franken.

Das Alter und die Mehrkosten

Allein die demografische Entwicklung für die steigenden Gesundheitskosten verantwortlich zu machen, ist sicherlich falsch. Zu einem beträchtlichen Teil seien die Kosten innovationsgetrieben, betont Dr. Philippe Widmer, Mitglied der Spitalleitung und Leiter Unternehmensentwicklung am Spital Limmattal. Was das bedeutet? "Der medizinische Fortschritt schafft neue Methoden und entwickelt neue Medikamente, das wiederum ermöglicht neue Therapien – und neue Therapien heilen, pflegen und retten letztendlich unter Umständen Leben." Nicht ohne Konsequenzen: "Wir haben in der Schweiz eines der besten Gesundheitswesen der Welt", sagt Widmer. "Wenn wir dieses Level haben wollen, dann hat das seinen Preis."

Gut zwölf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt BIP) werden hierzulande für die Gesundheit ausgegeben. Dabei ist es alles andere als einfach, eine klare Trennlinie zu ziehen zwischen Kosten, die im Rahmen einer Operation oder einer Rehabilitation anfallen, und solchen, die primär dafür aufgewendet werden, um "fit" zu bleiben. Steigende Gesundheitskosten sind denn auch eng verknüpft mit einem zunehmenden Grad an Wohlstand in der Bevölkerung. Verbreitet ist das Phänomen in den Industrienationen quasi durchs Band. In den USA belaufen sich die Gesundheitskosten inzwischen auf 17 Prozent des BIP; in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweden oder Dänemark wird die Elf-Prozent-Marke ebenfalls geritzt, wenn nicht sogar überschritten – die Schweiz befindet sich also alles andere als in schlechter Gesellschaft mit dem Problem der steigenden Gesundheitskosten. Wobei Philippe Widmer sich hütet, die beiden Worte "Problem" und "Gesundheitswesen" in einem Atemzug zu nennen. "Das würde suggerieren, dass es um die Gesundheitsversorgung in unserem Land schlecht steht. Und das tut es definitiv nicht!"

Mehraufwand für Spitäler

Die Bedeutung der Krankenhäuser und Kliniken bezüglich der Gesundheitskosten ist nicht von der Hand zu weisen. Rund ein Drittel davon entfällt auf die Spitäler. So ist es weiter auch nicht erstaunlich, dass diese regelmässig ins Visier von Politik und Medien geraten. Die Liste angedachter und bereits umgesetzter Massnahmen zur Kostendämpfung ist lang. Sie reicht beispielsweise von der Steigerung des Wettbewerbsdrucks via Einführung von Fallpauschalenvergütungen und einer schweizweiten Spitalwahl für Patienten über Zulassungsbeschränkungen und zunehmende Zentralisierungsbemühungen von Leistungen bis hin zu Listen von Operationen, die nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen, sowie der möglichen Einführung eines Globalbudgets.

"Die Herausforderung stellt sich für uns Spitäler letztlich immer in der Frage, wie wir eine bedarfsgerechte und qualitativ hochstehende Versorgung zu einem möglichst günstigen Preis sicherstellen können", betont dazu Philippe Widmer. Zudem gehe es darum, sich als Spital am Markt behaupten zu können, dies unter laufend ändernden Voraussetzungen. Das geschehe unter anderem, wenn "möglichst schlank" am Patienten entlang agiert werde oder Kooperationen eingegangen würden. Ein Beispiel hierfür ist sicherlich der Da-Vinci-Operationsroboter, den sich das Spital Limmattal mit anderen Kliniken teilt. So werden Zusatzkosten in Grenzen gehalten, ohne dass Abstriche bei Leistung und Qualität gemacht werden müssen.

Daniela Mächler-Heim behält die Qualität am Spital Limmattal im Auge. Sie ist Qualitäts- und Risikomanagerin und sagt: "Die Prozesse im Klinikbetrieb werden immer komplexer. Zusätzlich steigt der Mehraufwand für die Dokumentation und die Erfüllung der Vorgaben." Was die Flut an bürokratischen Regulativen anbelangt, unterscheidet sich ein Krankenhaus letztlich kaum von einem KMU oder einem Grosskonzern. "Ob all dieser zusätzlichen Aufgaben müssen zwei grundlegende Werte ganz klar im Fokus behalten werden: das Wohl und die Sicherheit der Patienten" betont Daniela Mächler. Schaue man sich die Patientenzufriedenheitsbefragungen an, so gelinge dies am Limmi nach wie vor sehr gut.

Sensibilisierung für Varianten

Die hohe Qualität, die rasche Versorgung und die immense Breite an Möglichkeiten, die an den Schweizer Spitälern garantiert und geboten wird, sorgt einerseits für Wettbewerb, weckt auf der anderen Seite aber auch Begehrlichkeiten. Seien wir ehrlich: Wer gibt sich mit der Super League zufrieden, wenn er Champions League haben kann? Oder anders ausgedrückt: Steht ein Eingriff an, so ist uns eben häufig nur das Beste gut genug. Ob notwendig oder auch nicht. Hier könne ein Hebel angesetzt werden, meint Daniela Mächler und liefert ein Beispiel aus der Praxis: "Als eines der ersten Spitäler der Schweiz sind wir im letzten Sommer eine Partnerschaft mit dem Verein ‹smarter medicine› eingegangen. Gemeinsam wollen wir dafür sensibilisieren, dass bei einem Eingriff oder einer Therapie nicht immer die maximale oder teuerste Variante die beste ist." Dies geschehe situationsbedingt und stets im Dialog zwischen Arzt und Patient. "Wir schwatzen bestimmt niemandem aus Kostengründen eine günstigere Lösung auf, sondern wollen sinnvolle Alternativen aufzeigen."

Offene Kommunikation und Transparenz über den Nutzen des Gesundheitswesens für Patienten und die Wirtschaft insgesamt sind denn in den Augen von Spitalleitungs-Mitglied Philippe Widmer der Schlüssel zu einem realistischen Umgang mit den Gesundheitskosten. Dass sich diese so rasch eindämmen lassen, bezweifelt er ernsthaft: Wie eingehend erwähnt, steigt mit dem Wohlstand der Bevölkerung auch das Bedürfnis nach einer zeitgemässen und innovativen Versorgung im medizinischen Bereich. "Wir müssen uns also alle fragen, ob wir den Standard, den wir im Gesundheitswesen aktuell haben, auch in Zukunft haben wollen." Wenn nicht, dann sei dies ganz klar mit einer grundsätzlichen Abkehr vom heutigen System verknüpft. "Ein Bekenntnis zu unserem Gesundheitswesen hingegen ist ein Bekenntnis zu Qualität und Versorgungssicherheit – und das gibt es nun einmal nicht gratis."

Angesichts der Tatsache, dass die Gesundheitskosten auch in den nächsten Jahren weiter steigen dürften, werden die Diskussionen um Sparmassnahmen, Optimierungsmöglichkeiten und Regulierungshebel so rasch nicht abreissen. Auf politischer Ebene genauso wenig wie auf wirtschaftlicher und sozialer, respektive gesellschaftlicher. Was angesichts dessen häufig vergessen geht: Die eigene Gesundheit, sie ist unbestritten das höchste Gut, das wir Menschen haben.

Zertifiziert hohe Qualität

Das Spital Limmattal erbringt Leistungen auf höchstem Niveau. Sämtliche Mitarbeitenden leisten ihren Beitrag, um mit wirksamen und wirtschaftlichen Prozessen und Aktivitäten qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Im Rahmen der ANQ-Messung (Nationaler Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken) wird periodisch von einer unabhängigen Stelle die Patientenzufriedenheit in Erfahrung gebracht. Eine ganze Reihe von Zertifikaten untermauert den hohen Qualitätsanspruch. So etwa das Qualitätszertifikat Brustzentrum Zürich West (ausgezeichnet durch die Krebsliga seit 2016), Stroke Unit (seit Dezember 2014 durch Swiss Federation of Clinical offiziell zertifiziert) oder Palliative Care. Bereits seit 1993 ist das Limmi zudem von der UNICEF als babyfreundliches Spital gelistet. Mit dem Qualitätslabel HQuality® des Vereins Zürcher Krankenhäuser bietet das Spital Limmattal zudem zusatzversicherten Patientinnen und Patienten Leistungen, die über die freie Arztwahl und den Komfort von Ein- oder Zweibettzimmern hinausgehen. Der Rettungsdienst des Spitals Limmattal schliesslich ist seit September 2006 vom Interverband für Rettungswesen (IVR) zertifiziert. Die IVR-Zertifizierung bescheinigt, dass hohe Qualität gelebt und kompetent umgesetzt wird.

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