Mehr als Medizin: Aufgehoben sein im LIMMI
Wir bilden die Brücke zwischen Medizin und menschlichen Bedürfnissen

Interview: Flavian Cajacob / Bilder: Michele Limina
Spital und Hotellerie, das sind keine zwei Begriffe, die normalerweise in einem Atemzug genannt werden. Während das eine im kollektiven Verständnis für einen eher unfreiwilligen und häufig unerwarteten Aufenthalt, für Operationen, Behandlungen und Therapien steht, bedeutet das andere in der Regel unbekümmerte Ferienstimmung und individuelles Wohlergehen. «Stimmt grundsätzlich», sagt Mischa Alchenberger, «aber im Spital zählt das Aufgehobensein eben genauso wie die medizinischen Belange.»
Alchenberger ist Leiter Hotellerie im Spital Limmattal. Mit «Aufgehobensein» meint er konkret die Verpflegung im Haus, den Service im Zimmer sowie den Patientinnen und Patienten gegenüber, die Organisation der Patiententransporte und die Besucherbetreuung. «Die Mitarbeitenden der Hotellerie kümmern sich darum, dass der Spitalaufenthalt für die Patientinnen und Patienten so angenehm wie nur möglich ist», sagt er. Es ist dies eine äusserst vielschichtige Aufgabe, die Vielseitigkeit und Belastbarkeit genauso voraussetzt wie Einfühlungsvermögen, Improvisationstalent und gute Umgangsformen.
Kommunikation ist das A und O
Während Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonal und Therapeutinnen die medizinische Genesung verantworten, kümmert sich die Spital-Hotellerie in erster Linie um den Komfort und das Wohlbefinden von Patientinnen,
Patienten und Besuchenden. «Was sich die Patientinnen und Patienten von zuhause gewohnt sind, das sollen sie so weit wie möglich auch im LIMMI antreffen», erklärt Peggy Meixner. Sie ist Leiterin Patientenservice im Spital Limmattal. Eingriffe oder Behandlungen sorgten bei den Betroffenen schon für genügend Aufregung und Verunsicherung, sagt sie; «umso wichtiger ist die Atmosphäre, in der die Gesundung vonstattengeht».
Ana Prgomet, Vesna Kobler und Peggy Meixner (v. l.) bei Vorbereitungen im «Office Patientenservice»
Dazu gehört patientenseits ein Gefühl der Sicherheit genauso wie die Erkenntnis, dass die persönlichen Bedürfnisse von den Ansprechpartnern ernst genommen werden. Auf Seiten von Hotellerie und Patientenservice
sind die beiden Parameter wiederum eng verknüpft mit Empathie und Erfahrung. «Mit der Zeit spürt man, was jemand benötigt, da braucht es nicht viele Worte», erklärt Mischa Alchenberger. Auf der anderen
Seite müssen Sprachbarrieren überwunden und auch kleinste Anliegen ernst genommen werden. Ob verbal oder nonverbal: «Die Kommunikation ist das A und O. Sowohl zwischen Patientinnen beziehungsweise
Patienten und Patientenservice als auch zwischen Patientenservice und Hausdienst, Therapie, Pflege sowie Ärzteschaft.» Nicht selten fungieren die Mitarbeitenden des Patientenservices als Schnittstelle, über die
Informationen an die richtigen Personen weitergeleitet werden. «Dank der Tatsache, dass wir im LIMMI sowieso grossen Wert auf Interdisziplinarität legen, geschieht dies schnell, diskret und zielführend», so Peggy Meixner.
«Mit der Zeit spürt man, was jemand benötigt, da braucht es nicht viele Worte.»
Mischa Alchenberger
Wasserflaschen sind bereitgestellt, der Tee ist aufgefüllt, hier und dort vermittelt ein Strauss Blumen Zuversicht und ein wenig Fröhlichkeit. «Es sind häufig Kleinigkeiten, die ein positives Ambiente insgesamt ausmachen», führt Peggy Meixner aus, «ein paar Blumen hier, ein schön angerichtetes Dessert dort – sicher aber auch ein offenes Ohr, ein ehrlich gemeinter Zuspruch oder ein freundliches Lächeln unsererseits.» Gerade das Letztgenannte ist ihr immens wichtig. Denn: «Schliesslich sind wir vom Patientenservice meist die Ersten, die eine Patientin oder ein Patient zu Gesicht bekommt.»
Dass sich Patientinnen und Patienten im Rahmen dessen, was möglich ist, wohlfühlen, ist im Spital Limmattal sicherlich auch der modernen Infrastruktur geschuldet. Gebäude und Einrichtung stammen aus dem Jahr
2018, dementsprechend modern, hell und grosszügig präsentieren sich Flure, gemeinsam genutzte Räumlichkeiten und Zimmer. Privat- und halbprivatversicherte Patientinnen und Patienten profitieren zudem nicht
nur auf medizinischer Ebene von zusätzlichen Dienstleistungen, sondern auch hinsichtlich Betreuung und Service.
Mischa Alchenberger, Leiter Hotellerie, und Peggy Meixner, Leiterin Patientenservice
Spannende und sinnstiftende Aufgabe
Es geht gegen Mittag zu. Mischa Alchenberger, der ursprünglich den Beruf des Kochs erlernt hatte, hebt eine Wärmeglocke vom Teller. Fleisch, Gemüse, Kartoffelstock und Sauce regen augenblicklich den Appetit an. «Der Ernährung während eines Aufenthalts kann gar nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden», erläutert Alchenberger. «Das Essen ist zentral im Tagesablauf unserer Patientinnen und Patienten.» Dabei gehe es nicht einzig und allein darum, kraftfördernde und heilungsbeschleunigende Energie zuzuführen, sondern auch und ganz besonders darum, ein bisschen Genuss zu vermitteln. Dass dabei die Vorgaben bezüglich Kostform, etwaiger Intoleranzen oder
Diäten berücksichtigt werden, versteht sich von selbst. So erhalten beispielsweise Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Schluckbeschwerden pürierte Nahrung, der dies überhaupt nicht anzusehen ist.
Gekocht wird saisonal, mit frischen Zutaten weitmöglichst aus der Region, nach modernsten Erkenntnissen aus der Ernährungslehre und den Vorlieben der Durchschnittsesserinnen und -esser – kulturell ausgerichtete,
vegetarische und vegane Alternativen inklusive.
«Es sind häufig Kleinigkeiten, die ein positives Ambiente insgesamt ausmachen.»
Peggy Meixner
Ob der Aufenthalt nun zwei, drei oder vier Tage dauert: «Selbst in kürzester Zeit ist es möglich, eine zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen», bemerkt Peggy Meixner, die viele Jahre in der Gastronomie zugebracht
und sich dort weitergebildet hat. «Es braucht sehr viel Sozialkompetenz in diesem Job, den ich persönlich als unglaublich sinnstiftend erlebe.» Was sie nicht in Abrede stellen will, ist der Umstand, dass die Erwartungshaltung
hier und dort gewachsen sei. «Da sind wir im Spital keine Ausnahme, die individuellen Ansprüche aber haben grundsätzlich in der gesamten Gesellschaft zugenommen, damit muss man umzugehen lernen.» In konkreten unangenehmen Fällen helfe ihr, sich vor Augen zu führen, dass es dem Gegenüber ja nicht wirklich gutgehe, dass die Person allenfalls Schmerzen hat, vielleicht auch Angst. «Nicht immer alles gleich persönlich nehmen, das ist wohl von zentraler Bedeutung in unserer Funktion.»
Dass sich ihre Arbeit auszahlt, bekommen er, Peggy Meixner und alle anderen Mitarbeitenden der Hotellerie regelmässig vor Augen geführt. «Gerade kürzlich hat sich eine Patientin bei ihrem Austritt bedankt und gemeint,
dass sie das Spital verlassen und nach Hause könne, sei zu einem ganz grossen Teil der Hotellerie zu verdanken, weil wir uns so gut um sie gekümmert hätten», sagt Mischa Alchenberger. Spital und Hotellerie, in einem Atemzug genannt – ein grösseres Kompliment gibt es kaum.
Das Auge isst mit!
Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Kau- und Schluckbeschwerden bekunden grösste Mühe, herkömmlich zubereitete und angerichtete Speisen zu sich zu nehmen. Vielfach haben die Betroffenen das Problem,
sich zu verschlucken, oder das Gefühl, an den zu sich genommenen Speisen beinahe zu ersticken. Was wiederum zu Ängsten vor dem Essen und im schlimmsten Fall zu Fehl- und Mangelernährung führt. Entsprechend angepasste Nahrung leistet hier Abhilfe.
Die ursprünglichen Lebensmittel werden sämig püriert, passiert und danach so geformt, dass sie den Ursprungsprodukten möglichst ähneln, zum Beispiel Pouletschenkeln, Karotten oder Erbsenschoten.
Selbst Brot, Reis oder Rindsbraten lassen sich auf diese Art «gluschtig» zubereiten und anrichten. Denn eines steht fest: Wie am privaten Küchentisch isst auch im Spitalbett das Auge stets mit.
Aufenthalt im Spital Limmattal