Ratgeber| 07.09.2021

Wenn die Nebenschilddrüse die Knochen schwächt

Die Schilddrüse ist vielen ein Begriff. Wussten Sie allerdings, dass hinter der Schilddrüse weitere kleine, hormonproduzierende Organe sitzen? Die sogenannten Nebenschilddrüsen steuern den Kalzium-Knochen- Haushalt des menschlichen Körpers. Eine Überfunktion führt zu einem erhöhten Kalziumgehalt im Blut: Das Kalzium wird aus den Knochen gelöst und die Knochendichte nimmt ab, was zu einer Osteoporose führen kann.

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von Dr. med. Franziska Grafen & Dr. med. Julia Kempf

Osteoporose?

Die im Volksmund oft einfach «Knochenschwund» genannte Erkrankung ist relativ weit verbreitet. Sie betrifft in Europa rund 6 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen zwischen dem 50. und 84. Lebensjahr. Unbehandelt führt sie oft zu Knochenbrüchen, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen, die zum Teil operativ behandelt werden müssen.

Nebenschilddrüsenüberfunktion

Die Überfunktion einer oder mehrerer Nebenschilddrüsen wird medizinisch als Hyperparathyreoidismus bezeichnet. Der komplexe Regelkreis des Nebenschilddrüsenhormons beeinflusst neben den Knochen auch die Niere sowie den Vitamin- D-Haushalt. Oft ist nur eine Nebenschilddrüse gutartig vergrössert und man spricht von einem sogenannten Nebenschilddrüsen- Adenom. Im Rahmen der Abklärungen gilt es herauszufinden, welche dieser in der Regel vier Nebenschilddrüsen tatsächlich erkrankt ist. Die Befunde werden immer interdisziplinär beurteilt und besprochen. Dies geschieht bei uns im Spital Limmattal einerseits in unserem internen endokrinologisch- chirurgischen Board. Andererseits haben wir dafür im Juni dieses Jahres mit dem Schilddrüsenzentrum eine weitere wichtige Schnittstelle geschaffen.

Wie zeigt sich eine Kalziumstoffwechselstörung?

Eine Überproduktion des Nebenschilddrüsenhormons macht sich durch einen hohen Kalziumgehalt im Blut bemerkbar. Typische Symptome sind Knochenschmerzen, Osteoporose, Nierensteine, Magenbeschwerden und neuropsychologische Symptome, wie Müdigkeit, Depressionen oder Apathie.

Diagnosestellung

Sofern im Blut die Werte des Kalziums und des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon) erhöht sind, vermuten wir eine Nebenschilddrüsenüberfunktion. Im Ultraschall können sehr grosse Nebenschilddrüsen-Adenome abgebildet werden, kleinere oder atypisch gelegene Nebenschilddrüsen sind nicht sichtbar. Darüber hinaus ist eine spezielle Funktionsdiagnostik in einem nuklearmedizinischen Zentrum notwendig. Unser Partner in diesem Bereich ist das Stadtspital Zürich Triemli. Mit Hilfe einer sogenannten Nebenschilddrüsen-Szintigrafie kann die Überproduktion der erkrankten Nebenschilddrüse dargestellt werden. Falls weder im Ultraschall noch in der Nebenschilddrüsen- Szintigrafie eine erkrankte Nebenschilddrüse nachweisbar ist, kann allenfalls das Cholin-PET, eine weitere nuklearmedizinische Untersuchung, Aufschluss geben. Die Dichte eines Knochens beziehungsweise dessen Kalksalzgehalt wird mit einer Knochendichtemessung (Osteodensitometrie/ DEXA) bestimmt.

Therapie

Bei milden Formen der Nebenschilddrüsenüberfunktion kann abgewartet werden. Bei auftretenden Symptomen oder bereits nachgewiesenen Organschäden (Nieren, Knochen) wird die vergrösserte Nebenschilddrüse operativ entfernt. Dieser wenig belastende Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Die Patientinnen und Patienten dürfen in der Regel am nächsten Tag wieder nach Hause. Überbrückend oder bei fortgeschrittenem Alter mit weiteren einschränkenden Krankheiten kann die Senkung des Kalziumwerts medikamentös behandelt werden.

Darüber hinaus müssen auch die erkrankten Knochen behandelt werden, um deren Dichte zu erhalten oder idealerweise zu erhöhen. Die Basis hierfür ist eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr sowie ein regelmässiges körperliches Training ohne Sturzrisiko zum Muskelaufbau. Um die Knochendichte zu erhalten, können antiresorptiv (nichtabbauend) wirkende Medikamente eingesetzt werden. Bei sehr schweren Formen wird mit osteoanabolen (knochen-aufbauenden) Medikamenten versucht, die verminderte Knochendichte wieder zu steigern. Diese Therapie dauert rund ein bis zwei Jahre.

Grundlegend und wichtig für jede Form der Behandlung ist immer das routinierte und koordinierte interdisziplinäre Vorgehen aller beteiligten Fachpersonen, sei es aus der Chirurgie, Endokrinologie oder Radiologie. Bei uns im Schilddrüsenzentrum Limmattal ist dieses Vorgehen Standard.


Dieser Artikel wurde am 7. September 2021 in der Limmattaler Zeitung publiziert.

Autorinnen
Dr. med. Franziska Grafen
Chefarzt-Stellvertreterin Chirurgische Klinik

Dr. med. Julia Kempf
Oberärztin Endokrinologie & Innere Medizin

Schilddrüsenzentrum Limmattal
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8952 Schlieren

+41 44 733 24 64

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