Obstipation – Wenn Verstopfung zur Krankheit wird
Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung. Viele Menschen sind irgendwann in ihrem Leben davon betroffen. Eine Verstopfung kann vorübergehend oder länger anhaltend sein.

von Dr. med. Thomas Kratt
Manche Menschen haben zudem das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können. Oftmals treten auch Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen bis hin zu Krämpfen auf. In schweren Fällen kann die Lebensqualität deutlich eingeschränkt sein.
Mögliche Ursachen
Verstopfung kann verschiedene Ursachen haben. Eine ballaststoffarme Ernährung spielt oft eine Rolle, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann die Beschwerden zusätzlich verstärken. Darüber hinaus kann Bewegungsmangel die Darmtätigkeit verlangsamen. Auch bestimmte Medikamente können Verstopfung auslösen. Zu diesen gehören beispielsweise bestimmte Schmerzmittel oder Antidepressiva.
Diagnosestellung
Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Die Diagnostik beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch. Bei Verdacht auf eine deutlich verlangsamte Stuhlpassage kann eine spezielle, einfach durchzuführende Röntgenuntersuchung erfolgen (Colon-Transit-Zeitbestimmung). Ergänzend können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, diese zeigen jedoch mehrheitlich keine wegweisenden Resultate bezüglich der Ursache der Verstopfung. Sollte sich allerdings bei den Blutwerten ein Mangel an Hämoglobin (roten Blutkörperchen) oder ein Eisenmangel zeigen, kann eine endoskopische Untersuchung (Magen-Darm-Spiegelung) sinnvoll sein.
Bei bestimmten auffälligen Warnzeichen, wie ungewolltem Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder schwarzem, teerartigem Stuhlgang, sollte unbedingt eine Magen- beziehungsweise Darmspiegelung durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung der Obstipation richtet sich nach der Ursache der Verstopfung. Vielfach helfen bereits relativ einfache Änderungen des Lebensstils. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann den Stuhl weicher machen, ausreichendes Trinken (mindestens 1500 Milliliter Flüssigkeitsaufnahme täglich) unterstützt die Wirkung der Ballaststoffe. Reichen diese Massnahmen nicht aus, können Abführmittel (Laxantien) eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Gruppen von Abführmitteln mit unterschiedlicher Wirkungsweise.
Zu den natürlich wirksamen Abführmitteln gehören beispielsweise Flohsamenschalen. Sie quellen zusammen mit Wasser im Darm auf. Dadurch wird das Stuhlvolumen vergrößert und die Darmentleerung erleichtert. Ebenso werden bei leichter Verstopfung oftmals Leinsamen eingesetzt. Diese binden Wasser und machen den Stuhl geschmeidiger. Wichtig ist bei diesen Mitteln eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Eine weitere Gruppe sind die sogenannten osmotisch wirksamen Laxantien. Diese sind bei korrekter Anwendung ungefährlich, werden vom Körper praktisch nicht aufgenommen (verbleiben im Darm) und werden gemeinsam mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Sie wirken ähnlich wie die oben genannten natürlichen Abführmittel, allerdings etwas stärker. Sie ziehen Wasser in den Darm und halten das Wasser im Darm beziehungsweise im Stuhl fest und erhöhen damit den Flüssigkeitsgehalt des Stuhls. Dadurch wird dieser weicher und kann leichter ausgeschieden werden. Selbst wenn der Stuhl länger im Dickdarm verbleibt, kann dadurch nur wenig Wasser vom Darm aus dem Stuhl herausgezogen werden.
Ein häufig verwendeter Wirkstoff ist Macrogol (zum Beispiel enthalten in Movicol®). Macrogol verbleibt weitgehend im Darm und bindet dort Wasser. Eine weitere Substanz ist Lactulose (beispielsweise in Duphalac®). Lactulose ist ein langkettiger Milch-Zucker, der nicht aus dem Darm in den Körper gelangen kann und dadurch ebenfalls den Wassergehalt im Darm fördert. Manche Menschen reagieren mit vermehrt auftretenden Blähungen, da Dickdarmbakterien mit Lactulose interagieren können.
Eine weitere Wirkstoffgruppe stellen die darmstimulierenden (peristaltikfördernden) Abführmittel dar. Sie regen die Darmbewegungen an, wodurch der Stuhl schneller durch den Darm transportiert wird. Bekannte Beispiel sind Bisacodyl (Dulcolax®) oder Natriumpicosulfat (Laxoberal®). Sie aktivieren die Darmtätigkeit und unterstützen so die Entleerung.
Für Fälle mit stärkster Verstopfung stehen darüber hinaus Medikamente wie Prucaloprid (Resolor®) oder Linaclotid (Constella®) zur Verfügung.
Gezielter Einsatz
Abführmittel sollen nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung angewendet werden, insbesondere falls ihr Einsatz über einen längeren Zeitraum nötig ist. Nicht jedes Präparat eignet sich für jede Person gleichermassen. Bei plötzlich auftretender oder langanhaltender Verstopfung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Mit der richtigen Diagnose und Behandlung lassen sich die Beschwerden in vielen Fällen gut lindern. Voraussetzung ist allerdings die Einsicht, dass nach Ausschluss sonstiger potentiell zugrundeliegender Erkrankungen Abführmittel zur Therapie der chronischen Verstopfung meist täglich und über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden müssen, um die Beschwerden effektiv zu lindern. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die meisten Abführmittel auch bei Langzeitgebrauch den Darm nicht schädigen oder zu einer Abhängigkeit führen, wie vielfach angenommen wird.
Dieser Artikel wurde am 16. Juni 2026 in der Limmattaler Zeitung publiziert.
Autor
Dr. med. Thomas Kratt
Leitender Arzt Gastroenterologie
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