Tamara Burth
Jedes «Füferli» hinterfragen

Tamara Burth: Leiterin Finanzen, Leiterin Departement V
Frau Burth, wer sind Sie?
Ich bin zum einen Mami von Zwillingen, von zwei Mädchen im Teenageralter. Und zum anderen Leiterin Finanzen. Ich gehe gerne offen auf andere Menschen zu und Zahlen sind meine Passion. Darüber hinaus bin ich noch vieles mehr, aber das sind für mich momentan die zwei wichtigsten Dinge.
Wie wohnen Sie?
Sehr nahe beim LIMMI, das schätze ich sehr: Wir wohnen seit über 10 Jahren in Birmensdorf. Dort bin ich gut verankert und nehme, wenn immer möglich, auch am Dorfleben teil.
Als Leiterin Finanzen: Welches Klischee über Buchhalterinnen trifft auf Sie nicht zu?
Ich bin sehr kommunikativ, offen und gerne «unter Leuten». Das widerspricht dem Klischee-Bild des Buchhalters, der am liebsten alleine im Kämmerlein für sich am Rechenbrett arbeitet. Wobei schon ein grosser Anteil meiner Arbeit am Schreibtisch stattfindet.
Und welches Klischee trifft zu 100 % zu?
Meine ausgeprägte Vorliebe für Zahlen – ich bezeichne mich manchmal selber als «Erbsenzählerin». Ich mag es am liebsten exakt und genau. War das schon immer so? Ich wusste schon früh, dass ich mit Zahlen arbeiten will. Ich bin im Toggenburg aufgewachsen, meine Eltern waren im Gastgewerbe tätig – weswegen ich an die Hotelfachschule ging – und habe dort schon zu Beginn gemerkt: «Finanzen und Zahlen, das ist es für mich!»
Beinahe ein Kindheitstraum also.
Nicht ganz, denn eigentlich war ich als Jugendliche ein Jahr in San Diego und wollte dort Politologie studieren. Das sahen jedoch meine Eltern etwas anders, und ich kam wieder zurück in die
Schweiz (lacht).
Waren Sie schon immer im Gesundheitswesen tätig?
Nein, meine ersten beruflichen Berührpunkte mit Zahlen hatte ich während meiner Hotelfachschulzeit. Ich arbeitete in meinem Praktikum in der Administration der «UBS Gastronomie und Hotellerie» und fand die Finanzbuchhaltung so spannend, dass ich mich dann entschloss, den «Fachausweis Buchhalter» zu machen.
«Ich bezeichne mich manchmal selber als ‹Erbsenzählerin›. Ich mag es am liebsten exakt und genau.»
Wer oder was hat Sie dann nach Schlieren gebracht?
Nach meiner Ausbildung habe ich bei Mövenpick in der Buchhaltung angefangen und ich bekam relativ schnell die Chance aufzusteigen. Einige Firmen und Führungspositionen später bin ich dann im LIMMI gelandet: Ich war bereit für etwas Neues, habe mich auf das Inserat beworben und bin seit unterdessen 2,5 Jahren hier.
Was ist hier anders als in früheren Firmen oder Branchen?
Nur schon aufgrund unserer Organisationsform bin ich politisch engagierter und exponierter als früher. Unsere Verbandsgemeinden haben ein berechtigtes Interesse und statutarisches Recht,
über die finanzielle Gesundheit des
Spitalverbands Bescheid zu wissen.
Inwiefern?
Dadurch, dass wir den Verbandsgemeinden gehören, legen wir ihnen gegenüber Rechenschaft ab über unseren Geschäftsverlauf. Auch die verschiedenen Gremien wie Verwaltungsrat und Delegiertenversammlung
sind auf vertiefte Informationen, insbesondere auch Finanzzahlen, angewiesen als Grundlagen für ihre Entscheide. Ausserdem will zum Beispiel unsere Rechnungsprüfungskommission (RPK) genau Bescheid
wissen, und so weisen wir unsere Zahlen nach HRM2, Rekole und Swiss GAAP FER aus.
HRM2, Rekole, Swiss GAAP FER – Sie sprechen in Rätseln.
(Lacht) Das klingt nur im ersten Moment verwirrend. Für interessierte Laien heisst das jedoch nichts anderes, als dass wir unsere Finanzzahlen auf drei verschiedene Arten darstellen müssen.
Warum das?
Die sogenannten Rechnungslegungsstandards gewichten anders, die Adressaten sind an anderen Schwerpunkten interessiert, das ist der Grund. HRM2 ist die Buchhaltung für unsere Verbandsgemeinden, die ist so angepasst, dass sie mit ihrer Buchhaltung vergleichbar ist. Rekole wiederum ist die Betriebsbuchhaltung für alle Spitäler, die ist klar reguliert und festgelegt, und Swiss GAAP FER ist der Standard nach schweizerischem Gesetz.
Haben Sie überhaupt noch Zeit für etwas anderes als die Zahlendarstellungen des Spitalverbands?
Das müssen wir haben – aber Sie haben schon recht: Der Aufwand dafür ist enorm. Innerhalb von Rekole zum Beispiel müssen wir zusätzlich zur Buchhaltung eine Vielzahl von weiteren Daten und Zahlen liefern: Was wurde operiert und wie lange? Welche Untersuchungen wurden gemacht und warum, wie lange waren unsere Patienten hier? Ambulant oder stationär? Und vieles mehr. Diese Zahlen gehen dann an verschiedene
Empfänger wie zum Beispiel an die Gesundheitsdirektion Zürich, den Verband H+ oder den VZK. Diese haben ihrerseits wieder andere, unterschiedliche Spezialanforderungen. Diese Ansprüche haben massiv zugenommen, kein Ende in Sicht.
Was ist für Sie als Leiterin Finanzen die grösste Herausforderung im LIMMI?
Ein Spital ist in seinem Zweck ein Peoples Business, es geht um das Gesundwerden und das Wohlergehen von Menschen. Da wirken Zahlen oftmals unpassend, sind aber auch Teil unserer alltäglichen Realität.
Worin sehen Sie für ein Spital die grösste Herausforderung?
Aus Finanzsicht sicher, dass wir auf dem Finanzmarkt genug Geld bekommen. Das ist besonders wichtig, weil wir ja immer noch daran sind, den Neubau abzubezahlen, und im Vergleich zu damals eine andere Zinssituation haben, die bedeutet, dass wir für dieselben Geldbeträge deutlich mehr Zinsen zahlen müssen als noch bei Vertragsabschluss. Genauso wichtig ist es, dass wir jederzeit genügend flüssige Mittel zur
Verfügung haben, um den regulären Betrieb aufrechterhalten zu können.
Wie erreichen Sie das?
In erster Linie erreichen das alle anderen Mitarbeitenden mit ihrer grossartigen medizinischen, therapeutischen oder pflegerischen Arbeit mit unseren Patientinnen, Patienten oder Bewohnenden. Aus finanzieller Perspektive bin ich jedoch mit unseren Teams aus Finanzen und Controlling verantwortlich dafür, dass wir uns jederzeit bewusst sind, wie es uns wirtschaftlich geht. Wir tauschen uns wöchentlich darüber aus, wo wir finanziell stehen. So können wir frühzeitig identifizieren, wenn sich von irgendwo her eine Schieflage anbahnt.
Eine Schieflage inwiefern?
In meiner Karriere ist die Finanzierung einer Instititution im Gesundheitswesen das Komplexeste, was mir bis jetzt untergekommen ist. Es gibt unzählige Faktoren, die innert sehr kurzer Zeit einen merklichen Effekt auf unsere Finanzlage haben können. Deswegen achten wir natürlich auf die offensichtlichen Kennzahlen wie Anzahl Patientinnen und Patienten in den einzelnen Bereichen, Bettenauslastung im PZ oder Fahrten des Rettungsdiensts. Genauso müssen wir jedoch beispielsweise das Fallgewicht CMI, politische Veränderungen auf Bundes-, Kantons- oder Gemeindeebene, Anpassungen von Lieferfristen, inflationäre Einflüsse oder tarifarische Begebenheiten berücksichtigen. Sprich: Wir behalten alles, was sich in unserem engeren und weiteren Umfeld verändert, jederzeit genauestens im Auge und hinterfragen aus dieser Notwendigkeit heraus tatsächlich beinahe «jedes Füferli», das ausgegeben wird.
Sind Sie demnach diejenige, die aus finanziellen Gründen immer «Nein» sagen muss?
Glücklicherweise nicht. Wir wollen und müssen so oder so investieren und haben im LIMMI die erfreuliche Situation, dass wir in allen Bereichen fachlich versierte Mitarbeitende haben, die sich einerseits mit vollem Einsatz für unsere Patientinnen und Patienten engagieren, andererseits jedoch genauso unternehmerisch und mit dem nötigen Grundverständnis mitdenken. Das heisst, dass auch die beantragten Projekte und Investitionen angemessen sind, situationsbedingt und realistisch. Das unterstützt und vereinfacht unsere Arbeit ungemein.
«Wir behalten alles, was sich in unserem Umfeld verändert, jederzeit genauestens im Auge.»
Wo hebt sich das LIMMI positiv ab?
Der Spitalverband ist ein schöner Arbeitsort und ein wirklich toller Arbeitgeber. Wir haben medizinisch top Dienstleistungen. Und darüber hinaus, wie gerade eben erwähnt: Das LIMMI plant sehr gut, genau, weit vorausschauend und unternehmerisch.
Was wünschen Sie dem LIMMI für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass der unternehmerische Spirit erhalten wird und bleibt und über viele Generationen hinweg weitergegeben werden kann – und dass die bürokratischen Auswüchse irgendwann abnehmen und wieder mehr Zeit für das Wesentliche bleibt. Und was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? Dass ich mich weiterhin so wohlfühle hier und dass ich gesund bleibe.
Frau Burth, nun konnten wir lediglich an der Oberfläche kratzen und könnten uns noch lange über Ihr Fachgebiet unterhalten. Schön, dass Sie sich Zeit genommen haben für das spannende Gespräch.