Die Venen im Zentrum
In der Behandlung von Venenproblemen gibt es immer mehr minimalinvasive und ambulante Therapien. Hierbei arbeiten viele Disziplinen gemeinsam zusammen – seit 1. Dezember in unserem neu eröffneten Venenzentrum.

von Dr. med. Diana Mattiello
Am 1. Dezember wurde im Spital Limmattal unser interdisziplinäres Venenzentrum eröffnet. Da aufgrund der sommerlichen Hitze die Beine nach einer Behandlung der Venen zusätzlich anschwellen, ist die Therapie von Varizen (Krampfadern) klassischerweise eher in den kalten Monaten angesiedelt. Insofern erfolgte der Auftakt zum optimalen Zeitpunkt.
Unser Venenzentrum ist spezialisiert auf die Abklärung von Venenerkrankungen und deren Nachsorge, wie zum Beispiel Varizen (Krampfadern), Besenreiser oder das Beckenstauungssyndrom.
Warum ein Venenzentrum?
Grundsätzlich wurden im Spital Limmattal bereits vorher sämtliche Abklärungen, Schwerpunkte, Spezialisierungen und Behandlungsformen angeboten.
Warum braucht es also das neu eröffnete Venenzentrum Limmattal? Einerseits aus medizinischen Gründen. Zurückblickend hat sich die Therapie von Krampfadern und ähnlichen Venen-Erkrankungen in den vergangenen Jahren
stark verändert. Vor Jahrzehnten war deren Behandlung eine überwiegend chirurgische Disziplin. Aufgrund der laufenden Entwicklung modernerer und fortschrittlicherer Techniken, welche zunehmend minimalinvasiv durchgeführt
werden können, haben sich immer mehr Fachärztinnen und -ärzte – beispielsweise aus den Disziplinen der Dermatologie und Angiologie – auf die Therapie von Varizen und Besenreisern spezialisiert. Dank den medizinischen
Fortschritten sind die Eingriffe mittlerweile auch in Lokalanästhesie sowie ambulant durchführbar.
Dies führte in den letzten Jahren dazu, dass im LIMMI sowohl Angiologinnen und Angiologen wie auch Chirurginnen und Chirurgen Krampfadern behandelten. Bereits vorher bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Disziplinen, die Behandlungen selbst wurden bis dahin jedoch ohne zentrale Koordination durchgeführt. Ein wichtiger Aspekt, der ebenfalls wesentlich zur Etablierung des Venenzentrums beitrug.
Andererseits profitieren von den Fortschritten und Veränderungen in erster Linie unsere Patientinnen und Patienten. Zum Beispiel können komplexe Fälle zukünftig noch einfacher interdisziplinär besprochen werden. Darüber
hinaus vereinfacht sich der sogenannte Patientenpfad deutlich, von der Zuweisung und ersten Kontaktaufnahne (als Selbstzuweiser oder via Hausärztin oder -arzt) bis zu den Nachkontrollen: Das Venenzentrum ist die zentrale
Anlaufstelle für alle Belange und ist für die Koordination der notwendigen Sprechstunden, Untersuchungen und Therapien zuständig.
Was sind die Vorteile für unsere Patientinnen und Patienten?
Die Interdisziplinarität und die umfassende Zusammenarbeit führen zu einer medizinisch optimalen und «massgeschneiderten» Behandlung. Wir bieten das gesamte Spektrum an Behandlungsformen – von der Sklerosierung (Verödung) kleiner Besenreiser bis zu einer Re-Crossektomie (Rezidivoperation der Varizen in der Leiste) in Narkose. Dank der zentralen Bearbeitung können wir die Ersteinschätzung und die Zuweisung in die entsprechenden Spezialsprechstunden optimieren und verkürzen so die Wartezeiten für unsere Patientinnen und Patienten. Mit den verschlankten Prozessen und Strukturen vermeiden wir Doppelspurigkeiten.
Wie die Angiologen führen auch die chirurgisch ausgebildeten Fachärztinnen und Fachärzte die Ultraschalldiagnostik und anschliessende Befundung eigenständig durch. Auf diese Weise können sie unmittelbar ein geeignetes und individelles Therapiekonzept erarbeiten und direkt mit dessen Umsetzung starten.
Können Patientinnen und Patienten sich selber oder nur via Hausärztin oder Hausarzt anmelden?
Beides ist möglich: eine sogenannte Selbstzuweisung, online oder telefonisch sowie via Hausärztin oder Hausarzt.
Wie ist der weitere Ablauf?
Die Anmeldung wird vom Sekretariat umgehend bearbeitet. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet aufgrund der beschriebenen Beschwerden, ob die Patientin oder der Patient die angiologische oder die chirurgische Sprechstunde
aufsuchen wird. Diese Zuteilung findet in erster Linie aus medizinischen Gründen statt, kann jedoch auch aus Kapazitätsgründen geschehen, wodurch wir die Wartezeiten für die Sprechstunden weiter optimieren können.
In der Sprechstunde findet zur Befunderhebung eine differenzierte Anamnese inklusive einer klinischen und einer duplexsonografischen Untersuchung statt. Die Duplexsonografie ist ein Ultraschallverfahren, bei dem nebst dem
eigentlichen Bild auch der Blutfluss erfasst und dargestellt werden kann. Auf der Grundlage der Ergebnisse wird anschliessend das Therapiekonzept gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten festgelegt. Je nach Befund und
Beschwerden ist eine Kombination von mehreren Methoden möglich.
Bis auf die herkömmliche chirurgische Therapie können sämtliche Eingriffe in lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose erfolgen. Gemäss den Vorgaben der Gesundheitsdirektion Zürich werden diese Eingriffe bis auf wenige Ausnahmen ambulant durchgeführt.
Was machen wir anders?
Das Venenzentrum ist die Schnittstelle für die klinikübergreifende Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Klinik (Angiologie), der Klinik für Allgemein-, Gefäss- und Viszeralchirurgie (Phlebologie und Wundsprechstunde)
und der Radiologie (interventionelle Radiologie). Für unsere Patientinnen und Patienten heisst das: Alle notwendigen fachlichen Kompetenzen in einem Zentrum, unter einem Dach. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit
steht in besonderem Fokus, was es uns ermöglicht, individuell, nach Bedarf sowohl ambulant wie auch stationär, in Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose zu behandeln, je nach medizinischer Notwendigkeit oder Wunsch der Patientin oder des Patienten.
Was waren die medizinischen Entwicklungen und Innovationen der vergangenen Jahre?
In den vergangenen Jahren wurden vor allem die minimalinvasiven Therapien intensiv weiterentwickelt und neue Generationen von Laser- sowie Radiofrequenzkathetern eingeführt. Dank der nur minimal kleinen Einschnitte oder
-stiche und der beinahe immer ambulanten Durchführung sind Erholungsphase und Arbeitsunfähigkeit viel kürzer geworden.
Nebst der erhöhten Effizienz und der verbesserten Patientensicherheit hat der ständige interdisziplinäre Austausch zur Folge, dass wir uns und unsere Arbeit laufend hinterfragen und auf diese Weise innovativ und am medizinischen Puls bleiben.
In der Therapie von Venenleiden entscheiden wir immer situativ, welche Kombination der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für die jeweiligen Patientinnen oder Patienten in Frage kommt. Es gibt nicht «die eine
Therapie für alle», sondern eine umfassende, individuelle Planung je nach Befund.
Autorin
Dr. med. Diana Mattiello
Leitende Ärztin Klinik für Allgemein-, Gefäss- & Viszeralchirurgie
Schilddrüsenzentrum Limmattal
Urdorferstrasse 100
8952 Schlieren
+41 44 733 22 17