Auf Herz und Nieren| 07.03.2018

Schmerzfrei auch nach schwerer Knorpelverletzung

Sportverletzungen machen über 20% aller Unfälle aus und treten nicht nur bei Berufs- und Leistungssportlern auf, sondern betreffen in überwiegender Anzahl Hobbyund Breitensportler. Sie haben für den privaten, sportlichen und beruflichen Alltag eine sehr hohe Relevanz.

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Ein Zweikampf im Fussball oder die Bordsteinkante auf dem Weg zur Arbeit: Schnell ist es passiert, das Knie oder der Fuss ist verdreht und schmerzt. Von der harmlosen Zerrung bis zur Multiligament- Verletzung des Knies kann alles dabei sein. Immer häufiger sieht man in der Praxis leider die komplexen Fälle. Dabei sind oft nicht nur Knochen und Bänder betroffen, sondern auch der Gelenkknorpel. Die Behandlung dieser Knorpelschäden ist sehr komplex. Um diesen Patienten eine optimale Behandlung anzubieten, wurde zum Jahresbeginn unter meiner Leitung die neue Abteilung für Sportorthopädie in der Orthopädischen Klinik gegründet.

Alle Gelenke des Körpers sind mit Knorpel ausgekleidet. Dieser erlaubt schmerzfreies Bewegen, da er keine Nervenzellen besitzt. Zudem bedeckt er den darunter liegenden Knochen, in dem sich die Schmerzfasern befinden. Der Knorpel ist also eine Schutzhülle. Bei einem Unfall kann es sein, dass diese verletzt wird und Schmerzen auftreten. Leider hat der Knorpel nach der Pubertät nicht mehr die Möglichkeit, selber zu heilen.

Je nach Grösse und Tiefe des Knorpelschadens werden verschiedene Verfahren zur Reparation durchgeführt. Bei kleineren Schäden bis 1 cm2 kommt die Mikro-Frakturierung zum Einsatz. Bei diesem Verfahren, das im Rahmen einer Gelenksspiegelung durchgeführt wird, werden nach Säuberung des verletzten Knorpelbereichs kleine Löcher in den darunter liegenden Knochen gebohrt. Im Blut, das dabei aus dem Knochenmark austritt, sind auch beim Erwachsenen in geringer Zahl Stammzellen vorhanden. Diese können sich zu anderem Gewebe, beispielsweise auch zu Knorpelzellen, entwickeln. Sie bilden ein ersetzendes Knorpelgewebe, welches den Defekt deckt und den Patienten in den meisten Fällen schmerzfrei macht.

Der Ersatzknorpel ist nicht gleich stabil wie der ursprüngliche Knorpel. So müssen bei grösseren Defekten andere Verfahren zur Anwendung kommen. Für mittelgrosse Schäden besteht die Möglichkeit, die oben beschriebenen Knorpelverletzungen zusätzlich mit einer Membran abzudecken (AMIC- Verfahren). Alternativ können auch Knochen-Knorpel-Zylinder aus einem wenig belasteten Teil des Gelenks entnommen und in den Defekt eingebracht werden (OATS-Verfahren oder Mosaik-Plastik). Bei grösseren und tieferen Verletzungen von mehr als 2.5 cm2 eignen sich die oben genannten Verfahren nicht mehr. Hier hilft nur noch die Knorpelzelltransplantation, ein schon länger be- kanntes, aber aufwändiges Verfahren. Nach gegenwärtigem Stand der Wissen- schaft weist dieses Verfahren die besten Langzeitergebnisse auf. In einer ersten Operation entnehmen wir im Rahmen einer Kniespiegelung Knorpelzellen aus einem wenig belasteten Teil des Gelenks. Diese Zellen werden in einem auswärtigen Labor innerhalb von vier Wochen auf mehrere Millionen vermehrt, anschliessend wieder ins Spital Limmattal geliefert und in einer zweiten Operation in den Defekt eingenäht. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass es sich bei den Zellen um voll funktionstüchtige, eigene Gelenkknorpelzellen handelt, die gleiche biomechanische Eigenschaften haben. Nach einer Ruhigstellung des Gelenks für sechs Wochen sind die Zellen meist fest eingeheilt und ein langsamer Belastungsaufbau kann erfolgen. Bei der richtigen Indikation sind die Ergebnisse hervorragend. Trotz sehr guten Ergebnissen bei kom- plexen Verletzungen muss einschränkend gesagt werden, dass sich die Knor- pelzelltransplantation nicht für alle Knorpelschäden anbietet. Bei einem «normalen» altersbedingten Verschleiss ist dieses Verfahren ebenso wenig geeignet wie bei schwer vorgeschädigten Gelenken.

Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Zuweisern und dem medizinischen Team notwendig.

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