Ratgeber| 18.09.2026

Hormone: Die unsichtbaren Antreiber des Alltags

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von Dr. med. Franziska Grafen, Dr. med. Eva Steinmann, Dr. med. Luiza Gambini

Wie werden Hormone gesteuert?

Viele Hormondrüsen sind über fein abgestimmte Regelkreise miteinander verbunden. Eine zentrale Rolle spielt die Hirnanhangsdrüse, die sogenannte Hypophyse. Sie koordiniert unter anderem die Hormonproduktion der Schilddrüse und der Nebennieren. Steigt der Hormonspiegel im Blut an, wird das entsprechende Signal gedrosselt.

Die Schilddrüse: Taktgeberin des Stoffwechsels

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse befindet sich vorne am Hals. Sie bildet die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin. Diese bestimmen mit, wie schnell der Körper Energie umsetzt. Das Steuerhormon TSH reguliert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Jod ist für die Produktion der Schilddrüsenhormone essentiell, eine normale Zufuhr via jodiertes Speisesalz genügt in der Regel.

Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) stehen dem Körper zu wenig Schilddrüsenhormone zur Verfügung. Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut oder Verstopfung sind typische Symptome der Schilddrüsenunterfunktion. Eine häufige Ursache ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Auch andere Erkrankungen oder Medikamente kommen als Ursache infrage.

Eine Überfunktion (Hyperthyreose) führt dazu, dass zu viele Schilddrüsenhormone im Blut zirkulieren. Herzklopfen, Zittern, innere Unruhe, Schwitzen, Schlafstörungen und Gewichtsverlust sind mögliche Folgen. Häufige Ursachen sind die Basedow-Krankheit oder schilddrüsenhormonproduzierende Knoten der Schilddrüse. Eine erste Beurteilung erfolgt mit einer Blutuntersuchung beim Hausarzt.

Die Nebenschilddrüsen: Wächterinnen des Kalziums

Die vier kleinen Nebenschilddrüsen liegen an der Rückseite der Schilddrüse. Sie bilden das Parathormon, kurz PTH, und halten den Kalziumspiegel im Blut auf einem stabilen Niveau. Ein stabiler Kalziumspiegel im Blut ist für Knochen, Muskeln, Nerven und Herz wichtig. Sinkt der Kalziumspiegel, sorgt eine vermehrte Produktion von PTH in den Nebenschilddrüsen dafür, dass Kalzium aus den Speichern (Knochen) mobilisiert, über den Darm aufgenommen und von den Nieren zurückgehalten wird. Auch der Phosphathaushalt und die Aktivierung von Vitamin D werden dabei beeinflusst.

Bei einer Überfunktion (Hyperparathyreoidismus) kann zu viel PTH den Kalziumspiegel erhöhen. Möglich Beschwerden sind vermehrte Müdigkeit, Muskelschwäche, Knochenabbau (Osteoporose), Nierensteine, Verstopfung und verstärkter Durst.

Eine Unterfunktion (Hypoparathyreoidismus) ist wesentlich seltener. Zu wenig PTH kann Kribbeln und Muskelkrämpfe verursachen. Dies kann beispielsweise nach einer Schilddrüsenoperation passager auftreten.

Die Nebennieren: Chefinnen von Anpassung und Stressreaktion

Die beiden Nebennieren sitzen auf den Nieren. Ihre Rinde bildet die Hormone Cortisol und Aldosteron. Cortisol unterstützt den Körper mit Stress umzugehen. Es erhöht den Blutzucker und stellt Energie bereit. Aldosteron reguliert gemeinsam mit den Nieren den Salz- und Wasserhaushalt sowie den Blutdruck. Das Nebennierenmark bildet Adrenalin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe machen den Körper bei Stress kurzfristig leistungsbereit.

Bei einer Überproduktion von Cortisol in den Nebennieren, unabhängig von Stress, entsteht ein sogenanntes «Cushing-Syndrom». Es führt zu Gewichtszunahme am Rumpf, dünner Haut, Muskelschwäche, Bluthochdruck und erhöhten Blutzuckerwerten. Wird in den Nebennieren zu wenig Cortisol gebildet, spricht man von einer Nebenniereninsuffizienz. Typische Beschwerden sind eine starke Müdigkeit, Erschöpfung, Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck und Schwindel.

Physische oder psychische Belastungen über längere Zeit können Schlaf, Blutdruck, Stoffwechsel und psychisches Wohlbefinden beeinflussen. Der im Alltag häufig verwendete Ausdruck «Nebennierenerschöpfung» bezeichnet keine medizinische Erkrankung. Anhaltende Beschwerden können viele Ursachen haben. Ein ärztliches Gespräch kann helfen, ihnen auf den Grund zu gehen.

Was kann man selbst tun?

Im Alltag können eine ausgewogene Ernährung, eine normale Jodzufuhr via jodiertes Salz, genügend Kalzium und Vitamin D, regelmässige Bewegung, erholsamer Schlaf und bewusste Erholungsphasen die körperliche Regulation unterstützen.

Schilddrüse, Nebenschilddrüsen und Nebennieren sind Teil eines fein abgestimmten Systems. Nicht jede Veränderung weist auf eine hormonelle Erkrankung hin. Wenn Beschwerden wie Müdigkeit, unerklärliche Gewichtsveränderungen, Herzrasen, Krämpfe, starker Durst oder Schwindel anhalten, empfehlen wir einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt für eine erste Beurteilung. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob weitere Abklärungen sinnvoll sind.

Dieser Artikel wurde am 18. Septmember 2026 in der Limmattaler Zeitung publiziert.

Autorinnen
Dr. med. Franziska Grafen, Chefarzt Stellvertreterin Chirurgie
Dr. med. Eva Steinmann, Oberärztin Endokrinologie
Dr. med. Luiza Gambini, Oberärztin Endokrinologie

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